Der Tod und das Mädchen - Erster Band


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APA0122 5 KI 0445 Fr, 14.Okt 2005
Comics/Neuerscheinung/Österreich/Rezension


"Der Tod und das Mädchen" als Comic aus Wien

Utl.: Österreichische Comic-Zeichnerin Nina Ruzicka bringt romantisch-morbiden Road-Comic mit dem Sensenmann

(Von Rodja Pavlik/APA) =

Wien (APA) - Im Juli 2005 schloss der ORF seinen Internet-Comic-Channel http://comics.orf.at - ein herber Verlust für Fans österreichischer Comics. Nun hat eine der Protagonistinnen des Channels, Nina Ruzicka, sich einen Ruck gegeben, und den ersten Teil ihres "Der Tod und das Mädchen"-Epos auf Papier herausgebracht.

Der Tod ist eines der großen Tabus unserer heutigen Gesellschaft. Auch in Wien, dem ja eine gewisse Morbidität nachgesagt wird, ist der Sensenmann weitgehend zurück gedrängt worden. Er herrscht auf Friedhöfen oder in Liedern von bekannten aber nicht mehr massentauglichen Sängern wie Ludwig Hirsch oder Georg Danzer. Eine makabere Erinnerung, mehr nicht. Um so erfrischender, dass sich ausgerechnet eine Wiener Cartoonistin dieses Themas angenommen hat und einen romantisch-morbiden Road-Comic gezeichnet hat.

Der Tod wandelt wieder mal auf Erden und sucht die Sterblichen heim. Was kaum jemand weiß: Der Sensenmann siegt nur dann, wenn man ihm in die Augen schaut und seinen Namen spricht. Und deren gibt es viele: Gevatter, Freund Heyn, der ewige Schlaf, der Schnitter... Aber auch Beleidigungen und sonstige Bezeichnungen akzeptiert er, da ist er nicht kleinlich. Pech nur, dass der finstere Geselle auf einer viel befahrenen Autobahn ausgerechnet auf jenes Mädchen trifft, das ihm schon in ihrer frühesten Kindheit ein Schnippchen geschlagen hat. Sie kennt sein Geheimnis: Und so sterben heute viele auf der Autobahn - nur nicht jene, deren Lebensuhr eigentlich schon längst abgelaufen ist. Langsam entsteht zwischen dem Tod und dem namenlosen Mädchen so etwas wie eine Beziehung.

Für Nina Ruzicka (Jahrgang 1972) ist der Tod ein alter Bekannter, war doch ihre Kindheit durch eine Reihe schwerer Krankheiten gezeichnet. Wie dem Comic zu entnehmen ist, strangulierte sie sich bei ihrer Geburt beinahe mit ihrer eigenen Nabelschnur. Außerdem überlebte sie zwei Blinddarmoperationen nur knapp. Bis heute kann sie das "vertraute Gefühl" nicht abschütteln, das sie befällt, wenn sie ein Krankenhaus betritt, so Ruzicka. Wie das Comic beweist, hat sie sich dennoch ihren Humor bewahren können - vor allem jenen der schwarzen Sorte. Ein Beweis dafür ist ihre Mitgliedschaft in der Europäischen Totentanzvereinigung e.V..

Ruzicka arbeitet seit 1997 als freischaffende Künstlerin. Dass man davon in Österreich nicht leben kann, beweisen eine Vielzahl von Jobs während dieser Zeit - angefangen von Bedienung in einem Country- Western Lokal zur Parkettlegerin bis - nach einem HTL-Abschluss in Chemie und Gentechnologie - hin zur Chemisch-technischen Assistentin. Ihren ersten Erfolg als Comic-Zeichnerin feierte sie mit ihrer satirischen Serie "Nina", die von 1997 bis 2002 in der Frauenzeitschrift "Wienerin" erschien.

(S E R V I C E - Nina Ruzicka: "Der Tod und das Mädchen" - Comic, 64 Seiten.
Die Biblyothek, Leipzig 2005. ISBN 3-9810480-0-8, 12 Euro. http://www.cartoontomb.de)

(Schluss) rop/whl

APA0122 2005-10-14/09:53

140953 Okt 05