Ein Blick auf die Frankfurter Buchmesse 2011
Vom 12. bis 15. besuchte ich dieses Jahr die Frankfurter Buchmesse, um mal zu sehen, was sich denn so getan hat in einem Jahr der Abwesenheit. Um soviel vorweg zu sagen: Man erlebte keine großen Überraschungen. Man erlebte auch keine kleinen Überraschungen. Eigentlich erlebte man garnichts, denn die Halle 3.0., welche in den letzten Jahren immer ein Mekka für Comiclesende war, zeigte sich dieses Mal von einer schwer abgemagerten Seite: Außer den meisten von uns bekannten Verlagen Carlsen und Splitter gab es nur eine Hand voll kleiner Nischen, welche aber weitgehend unbeachtet blieben.Bei Splitter wie gewohnt ein wenig Fachgesimpel, bei Carlsen meterlange Schlangen für Mappensichtungen. Wer nach Neuigkeiten suchte, war hier leider alleine auf weiter Flur. Trotzden war die Stimmung ausgelassen und gut.
In den Hallen der technischen Neuerungen gab es ein paar interessante Foren bezüglich “Digital Contents”, wie es auf deutsch genannt wird. Alle Achtung, die Redner waren wirklich gut vorbereitet und die Vorträge alle wirklich sehr gut präsentiert. Der Tenor des ganzen erscheint eher nüchtern - Buch auf Tablets funktioniert, aber oft auch nicht. Zum Beispiel bei Bildbändern, Reiseführern und - wer hätte es gedacht - Comics. Nicht, das der Content nicht angenommen würde, denn das wird er; solange man nichts dafür bezahlen muß. Experimente, bei denen in Amerika 0,15$ pro Comic verlangt wurden, gingen schnell nach hinten los. Webcomic funktioniert komischerweise nur in Ländern, in denen keine andere Möglichkeit besteht, an einen Comic zu gelangen. Alles in Allem sahen die neun Buchtablets jedoch alle ziemlich cool aus.
Auf dem ausländischen Parkett machte sich dieses Jahr besonders bei den Staaten Frankreich und Belgien, die wie verrückt mit Comics handelten. Und obwohl viele Verlage nur zum Lizenshandel angetreten waren, fanden Sie immer noch Zeit, einem bei einer Frage zur Seite zu stehen, ja, sogar den Weg zu einem andern Stand zu zeigen und einen vorzustellen. Solch einen Enthusiasmus, gepaart mit soviel Professionalität und Gelassenheit, das wünscht man sich von so manchem deutschen Verlag. Den Höhepunkt fand ich persönlich in Halle 8 vor, wo die USA und England ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Man kann sagen was man will, aber der Comicmarkt der USA ist letztendlich deswegen so groß, weil es immer noch diese steinharte “Everything goes” Menthalität gibt. Wenn man etwas verkaufen möchte, das gut ist, wird es dafür einen Absatzmarkt geben. Dieses Denken ist wirklich beneidenswert.
Das Fazit der Buchmesse: Für Freunde des Krimis oder des Kochbuchs wird die Buchmesse Frankfurt immer ein großer Termin bleiben. Für Comicleser und Händler wird die Buchmesse bald jede Bedeutung verloren haben. Ausweichmöglichkeiten gibt es jedoch reichlich:Von der Strip Turnhout in Belgien über die Messe in Angouleme - das Gewicht wird verlagert, nicht reduziert. Also, Augen auf.
Mja, die Comicabteilung war wirklich eine Enttäuschung - nur Kinderbücher zu finden gewesen.
Da habe ich ja direkt Glück gehabt. Dieses Jahr hatte ich keine Zeit, aber zumindest im Comicbereich scheine ich wirklich nichts verpaßt zu haben. Eigentlich schade. Na, nächstes Jahr wird hoffentlich alles etwas besser.